Der japanische Maglev: Der schnellster zug der Welt

Stellen Sie sich vor, Sie rasen mit erstaunlicher Geschwindigkeit über die Gleise, während die japanische Landschaft draußen an Ihnen vorüberzieht. Es scheint, als ob Sie schweben … Moment, die Räder des Zugs berühren tatsächlich nicht die Gleise. Dieses Erlebnis wird dank der berühmten japanischen Magnetschwebebahn – dem schnellsten Zug der Welt – bald Realität werden.

Japan ist bereits für sein umfangreiches Shinkansen-Zugsystem bekannt, das seit 1964 in Betrieb ist. Die derzeit schnellsten Züge der Welt werden jedoch in den Hintergrund treten, wenn in wenigen Jahren der Magley-Pendlerverkehr verfügbar wird.

So funktionieren Maglev Züge

SC Maglev, oder supraleitende Magnetschwebebahnen, werden von der Central Japan Railway Company und dem Railway Technical Research Institute seit den 1970er Jahren entwickelt. Magnetschwebebahnen arbeiten nach dem Prinzip der magnetischen Abstoßung zwischen den Wagons und der Strecke. Das Wort Maglev ist eigentlich eine Kombination aus den Wörtern “magnetisch” und “Levitation”. Das Schweben des Zuges wird durch den Einsatz eines elektrodynamischen Aufhängungssystems oder EDS erreicht.

Die Schienen oder Führungsschienen enthalten zwei Sätze von miteinander verbundenen Metallspulen, die zu einem elektromagnetischen “Achter-Muster” gewickelt sind. Im Zug selbst befinden sich supraleitende Elektromagnete, sogenannte Drehgestelle. Im Stillstand ruht der Zug auf Gummirädern. Um in Fahrt zu kommen, rollt der Zug auf diesen Rädern langsam vorwärts, sodass die Magnete unter dem Zug mit denen der Fahrbahn interagieren können. Sobald der Zug 150 Stundenkilometer (93 Meilen pro Stunde) erreicht, ist die Magnetkraft stark genug, um den Zug 100 Millimeter (4 Zoll) vom Boden zu heben und Reibung zu vermeiden, was immer höhere Geschwindigkeiten ermöglicht.

Die gleichen magnetischen Kräfte, die den Zug anheben, bewegen ihn auch nach vorne und halten ihn in der Mitte der Fahrbahn. Hierbei handelt es sich um die gleiche Technologie, die auch Tesla’s Hyperloop verwendet, sie garantiert eine reibungslos und außergewöhnlich sichere Fahrt.

Maglev bullet train prototype
Japanischer Maglev Hochgeschwindigkeitszug-Prototyp

Maglev Höchstgeschwindigkeit

Wie hoch ist die Höchstgeschwindigkeit der Magnetschwebebahn? Im April 2015 brach eine bemannte supraleitende Magnetschwebebahn zwei bisherige Geschwindigkeitsrekorde für Schienenfahrzeuge. Der Zug wurde mit 603 Stundenkilometern oder 375 Meilen pro Stunde gemessen. Das ist viel schneller als die bereits in Shanghai, China und Südkorea eingesetzten Maglev-Züge, die mit Geschwindigkeiten von 268 bis 311 Meilen pro Stunde bzw. 68 Meilen pro Stunde fahren.

Die Magnetschwebebahn hat auch bei Tests auf dem Miyazaki Test Track frühere Shinkansen-Weltrekorde übertroffen. Die meisten Shinkansen-Züge fahren mit einer Geschwindigkeit von etwa 500 Stundenkilometern (200 bis 275 Meilen pro Stunde). Mit der Entwicklung und Einführung neuer Technologien können zukünftige Züge noch höhere Geschwindigkeiten erreichen.

Haben Sie gewusst? In sechzig Jahren Betrieb hatten die japanischen Hochgeschwindigkeitsstrecken keine tödlichen Unfälle und sind damit eines der sichersten Verkehrsmittel der Welt.

Die japanische Magnetschwebebahnstrecke

Im Jahr 2009 wurde das Magnetschnellbahnsystem genehmigt und ging in die gewerbliche Bauphase über. Die lineare Chuo Shinkansen Strecke soll Tokio und Nagoya bis zum Jahr 2027 verbinden. Die Fahrt wird voraussichtlich nur vierzig Minuten dauern – schneller als zwischen den beiden Städten zu fliegen oder die eineinhalbstündige Fahrt mit der aktuellen Tokaido Line, die mit dem Japan Rail Pass erhältlich ist. Die vorgeschlagene Route umfasst Haltestellen an den Bahnhöfen in Shinagawa, Sagamihara, Kofu, Iida und Nakatsugawa.

Ursprüngliches Ziel des Maglev-Projekts war es, einen Zug zu produzieren, der die Strecke von Tokio nach Osaka in weniger als einer Stunde zurücklegen konnte. Dies wird erreicht, wenn die Magnetschwebebahn von Nagoya nach Osaka verlängert wird, was voraussichtlich bis 2045 umgesetzt wird.

Achtzig Prozent der 286 Kilometer langen Magnetschwebebahnstrecke werden unterirdisch verlaufen und durch zersiedelte Dörfer und das bergige Gelände führen. Es wird erwartet, dass das Projekt umgerechnet 55 Milliarden Dollar kosten wird.

Nach der Fertigstellung wird der Zug sechzehn Wagons umfassen, mit genug Platz für bis zu eintausend Passagiere. Derzeit ist die Öffentlichkeit zu den Maglev-Testfahrten eingeladen. Touristen können den SC Maglev Parkway in Nagoya oder das Yamanashi Prefectural Maglev Exhibition Center in der Nähe der Stadt Otsuki besuchen, um mehr zu erfahren und Maglev-Testläufe zu sehen.

Der Chuo Shinkansen

Der Chuo Shinkansen (oder der Tokaido Shinkansen Bypass) ist eine neue Eisenbahnlinie, die Tokio und Nagoya verbinden wird. Sie wird in Phasen gebaut und nutzt die modernste Maglev-Magnetschwebetechnik.

Nach ihrer Fertigstellung wird die Strecke eine direktere Verbindung zwischen den beiden Städten ermöglichen und die Fahrzeit im Vergleich zur derzeitigen Tokaido-Shinkansen-Linie um rund 50 % (bis auf 40 Minuten) verkürzen. Nach Projektfortschritt wird die Strecke bis nach Osaka verlängert – die gesamte Fahrt dauert nur 67 Minuten.

Fahrgäste können ab 2027 Tickets für die neue Strecke kaufen. Die Züge werden mit einer Höchstgeschwindigkeit von 505 km/h fahren (der Weltrekord liegt bei 603 km/h).

Die Route wird zunächst 6 Stationen umfassen: die Shinagawa Station, die Nagoya Station und die Präfekturen Kanagawa, Yamanashi, Nagano und Gifo. Sie wird 256,6 km Tunnel, 11,3 km Brücken und 4,1 km Gleisbetten umfassen.

Die Central Japan Railway Company (JR Central) beaufsichtigt das Projekt, das voraussichtlich 5,52tn Yen (52 Milliarden $) kosten wird. Sie haben 14 neue Magnetschwebebahnen der Serie L0 (L null) bestellt, die derzeit Fernversuche auf der Testlinie Yamanashi Maglev durchführen.

Die Zukunft der Hochgeschwindigkeitszüge

Der Maglev mag die aktuellen Weltrekorde halten, wird allerdings bald Konkurrenz bekommen. Der japanische Premierminister Shinzo Abe hat vorgeschlagen, die Technologie an die Vereinigten Staaten zu verkaufen, um eine Magnetschwebebahn zwischen New York und Washington zu bauen.

Gleichzeitig sind Pläne für die Hyperloop-Zugstrecke von Los Angeles nach San Francisco, Kalifornien, USA, im Gange, die Geschwindigkeiten von über 700 Meilen pro Stunde erreichen kann. Japanische Bürger und Touristen können es dagegen kaum abwarten, bis die Chuo Shinkansen Strecke in Betrieb genommen wird.

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